Der Bernhardiner, eine Rasse, die für ihre enorme Größe und ihr sanftes Wesen bekannt ist, trägt zu Recht den Titel „Sanfter Riese“. Diese Hunde stammen aus den Schweizer Alpen und besitzen eine einzigartige Kombination aus körperlicher Stärke und einem bemerkenswert sanften Temperament. Ihre Vergangenheit als Rettungshunde, gepaart mit ihrer angeborenen Geduld und ihrem anhänglichen Wesen, festigen ihren Ruf als eine der beliebtesten und sanftmütigsten großen Hunderassen.
Eine Geschichte, die in der Rettung wurzelt
Die Geschichte des Bernhardiners ist eng mit dem Hospiz am Großen Sankt Bernhard in den gefährlichen Schweizer Alpen verbunden. Mönche des Hospizes setzten diese Hunde bereits im 17. Jahrhundert ein, um im Schnee gestrandete Reisende zu retten. Ihr unglaublicher Geruchssinn, kombiniert mit ihrer Kraft und Ausdauer, machten sie zu unschätzbar wertvollen Helfern bei der Suche und Hilfe für Bedürftige.
Ihre Hauptaufgabe bestand nicht nur darin, verlorene Reisende zu finden, sondern auch Wärme und Trost zu spenden, bis Hilfe eintraf. Die Hunde lagen oft neben den Verletzten und nutzten ihre Körperwärme, um einer Unterkühlung vorzubeugen. Dieses angeborene Fürsorgeverhalten ist ein wesentlicher Bestandteil ihres sanften Wesens.
Das Erbe dieser Rettungsbemühungen prägt bis heute die Identität der Rasse. Der Hilfs- und Beschützerinstinkt des Bernhardiners ist tief verwurzelt und trägt maßgeblich zu seinem sanften und mitfühlenden Wesen bei.
Temperament und Persönlichkeit
Neben ihrer historischen Rolle ist das Temperament des Bernhardiners entscheidend für seinen Spitznamen „sanfter Riese“. Diese Hunde sind bekannt für ihre Geduld, Treue und Zuneigung, insbesondere gegenüber Kindern. Ihr ruhiges und tolerantes Wesen macht sie zu hervorragenden Familienhunden.
Hier sind einige Schlüsselaspekte ihres Temperaments:
- Geduldig und tolerant: Bernhardiner sind bemerkenswert geduldig, selbst mit kleinen Kindern, die nicht immer verstehen, wie man respektvoll mit einem Hund umgeht.
- Zärtlich und loyal: Sie bauen starke Bindungen zu ihren Familien auf und sind stets bemüht, ihren Gästen zu gefallen. Ihre Loyalität ist unerschütterlich.
- Ruhig und sanft: Trotz ihrer Größe sind sie im Allgemeinen ruhig und sanft und bevorzugen eine entspannte Umgebung.
- Beschützend: Sie sind zwar nicht aggressiv, haben aber einen natürlichen Beschützerinstinkt gegenüber ihrer Familie und zögern nicht, sie zu verteidigen, wenn sie eine Bedrohung wahrnehmen.
Es ist wichtig zu bedenken, dass die Persönlichkeit jedes Einzelnen unterschiedlich sein kann. Frühe Sozialisierung und Erziehung sind entscheidend, damit sich ein Bernhardiner zu einem ausgeglichenen und selbstbewussten Begleiter entwickelt.
Physikalische Eigenschaften und Pflege
Die imposante Größe des Bernhardiners ist unbestreitbar. Männchen können zwischen 63 und 80 Kilogramm wiegen, Weibchen typischerweise zwischen 54 und 63 Kilogramm. Ihre Schulterhöhe variiert zwischen 66 und 76 Zentimetern. Diese schiere Größe trägt zu ihrem Spitznamen „Riese“ bei.
Die Pflege eines Bernhardiners erfordert die Berücksichtigung seiner besonderen Bedürfnisse:
- Platz: Aufgrund ihrer Größe benötigen sie viel Lebensraum und regelmäßige Bewegungsmöglichkeiten.
- Pflege: Sie haben ein dickes Doppelfell, das regelmäßig gebürstet werden muss, um Verfilzungen und Haarausfall zu vermeiden.
- Bewegung: Obwohl sie nicht übermäßig energiegeladen sind, brauchen sie tägliche Spaziergänge, um ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden zu erhalten.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, um das Wachstum zu unterstützen und Gelenkproblemen vorzubeugen.
Potenzielle Besitzer sollten sich der gesundheitlichen Probleme großer Rassen bewusst sein, wie z. B. Hüft- und Ellbogendysplasie, Blähungen und Herzerkrankungen. Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen sind entscheidend, um diese Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Training und Sozialisierung
Frühes Training und Sozialisierung sind für Bernhardiner von größter Bedeutung. Ihre Größe und Stärke erfordern konsequentes Training, um sicherzustellen, dass sie brav und lenkbar sind. Positive Verstärkungsmethoden sind bei dieser Rasse besonders effektiv.
Bei der Sozialisierung wird der Welpe schon in jungen Jahren mit verschiedenen Menschen, Orten und Situationen konfrontiert. Dies hilft ihm, sich zu selbstbewussten und ausgeglichenen Erwachsenen zu entwickeln und verringert das Risiko angstbedingter Aggression.
Zu den wichtigsten Aspekten der Ausbildung und Sozialisierung gehören:
- Grundlegender Gehorsam: Das Erlernen von Befehlen wie „Sitz“, „Bleib“, „Komm“ und „Platz“ ist unerlässlich.
- Leinentraining: Das Führen eines großen Hundes an der Leine erfordert ein entsprechendes Training, um Ziehen zu verhindern und die Kontrolle zu gewährleisten.
- Sozialisierung mit anderen Tieren: Indem Sie den Welpen in einer kontrollierten Umgebung mit anderen Hunden und Katzen bekannt machen, lernen sie, angemessen zu interagieren.
- Aussetzung gegenüber unterschiedlichen Umgebungen: Indem Sie den Welpen an unterschiedliche Orte wie Parks, Geschäfte und die Häuser von Freunden mitnehmen, können Sie ihn dabei unterstützen, sich in verschiedenen Situationen wohlzufühlen.
Mythen zerstreuen
Obwohl der Spitzname „Sanfter Riese“ im Allgemeinen zutreffend ist, ist es wichtig, einige verbreitete Mythen über Bernhardiner zu zerstreuen. Ein Irrglaube ist, sie seien von Natur aus faul oder unintelligent. Sie sind zwar nicht so energiegeladen wie manche Rassen, aber intelligent und lernfähig. Sie benötigen lediglich geduldiges und konsequentes Training.
Ein weiterer Mythos besagt, dass alle Bernhardiner gut mit Kindern umgehen können. Obwohl sie im Allgemeinen geduldig und tolerant sind, ist es wichtig, den Umgang zwischen Kindern und Hunden, unabhängig von der Rasse, zu beaufsichtigen. Kindern sollte ein respektvoller Umgang mit Hunden beigebracht werden, um Verletzungen zu vermeiden.
Schließlich ist es wichtig zu bedenken, dass Bernhardiner, wie alle Hunde, Individuen sind. Während die Rassemerkmale eine allgemeine Richtlinie bieten, können individuelle Persönlichkeiten variieren. Verantwortungsvolle Züchter legen Wert auf Temperament und Gesundheit, doch frühe Sozialisierung und Training spielen eine entscheidende Rolle für das Verhalten eines Hundes.
Der Bernhardiner heute
Heute werden Bernhardiner vor allem als Haustiere gehalten, obwohl einige auch bei Such- und Rettungsaktionen mitwirken. Ihr sanftes Wesen und ihre Treue machen sie zu wunderbaren Familienhunden. Potenzielle Besitzer sollten jedoch die spezifischen Bedürfnisse der Rasse sorgfältig prüfen, bevor sie sich einen Bernhardiner anschaffen. Sie erfordern viel Platz, Pflege, Bewegung und Training.
Trotz der Herausforderungen ist die Haltung eines Bernhardiners enorm bereichernd. Ihr anhängliches Wesen, ihre unerschütterliche Treue und ihr sanftes Wesen machen sie zu ganz besonderen Begleitern. Sie sind eine ständige Quelle der Liebe und des Trostes und bereichern das Leben ihrer Familien auf vielfältige Weise.
Der Spitzname „Sanfter Riese“ ist nicht nur ein Etikett; er zeugt von der einzigartigen Kombination aus körperlicher Stärke und mitfühlendem Wesen der Rasse. Die Geschichte des Bernhardiners als Rettungshund, gepaart mit seiner angeborenen Sanftmut, hat ihn zu einer der beliebtesten und bewundertsten Rassen der Welt gemacht.
Abschluss
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Bernhardiner seinen Ruf als „sanfter Riese“ wohlverdient hat. Seine Vergangenheit als alpine Rettungshunde, kombiniert mit seinem geduldigen, anhänglichen und treuen Wesen, macht ihn zu einem außergewöhnlichen Begleiter. Obwohl seine Größe und seine besonderen Pflegebedürfnisse viel Engagement erfordern, ist die Freude am Besitz eines Bernhardiners unermesslich. Er ist ein wahrhaft sanfter Riese, der denjenigen, die das Glück haben, sein Leben mit ihm zu teilen, unerschütterliche Liebe und Kameradschaft schenkt.
Ihr Vermächtnis als Rettungshunde und ihre angeborene Freundlichkeit inspirieren uns noch heute und erinnern uns an die starke Bindung zwischen Mensch und Tier. Der Bernhardiner ist mehr als nur ein Hund; er ist ein Symbol für Mitgefühl, Treue und unerschütterliche Hingabe.